Siegobert Hartmann: Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Obere Str. 19, 78050 Villingen-Schwenningen - Termine unter Telefon: 07721-4019222

Der Begriff Spiritualität ist heutzutage in aller Munde und zu einem Schlagwort und Modebegriff geworden, so dass es mir hier wichtig erscheint zu sagen, was ich unter Spiritualität verstehe, um mich auch klar von meiner Meinung nach falschen Sichtweisen abzugrenzen. Bei Wikipedia ist Spiritualität definiert als: „Abgeleitet v. lat.: spiritus = Geist, Hauch, im weitesten Sinne eine Form von Geistigkeit als Gegensatz zum rein rationalen Denken und einer materiellen Körperlichkeit. Sie steht für die gelebte Verbindung zum Formlosen, göttlichen, transzendenten oder der Unendlichkeit. Sie ist auch eine Art Lebenspraxis. Sie bezeichnet die Auffassung, dass die menschliche Seele ihren oder der menschliche Geist seinen Ursprung einer göttlichen oder transzendenten Instanz verdankt oder zu einer absoluten höheren Wirklichkeit in Beziehung steht“.
Dies kann leicht Missverstanden werden, als sei Spiritualität etwas, was dem Rationalen und Materiellen dual und gegensätzlich gegenüber steht. Das Wörtchen „rein“, deutet jedoch schon an, dass es sich nicht um einen Gegensatz, sondern um eine Transzendenz des rein Rationalen und rein Materiellen handelt. Wenn ich also von Spiritualität spreche, so meine ich damit nichts Irrationales, sondern eine Transzendenz des Rationalen und Materiellen. Das Rationale und Materielle behält seine Bedeutung und Wertigkeit. Ihm wird jedoch nur ein begrenzter Bereich eingeräumt in dem es seine Gültigkeit hat. Um den Bereich der Spiritualität zu erreichen, muss sogar manchmal das Rationale erst bis zur Neige ausgeschöpft sein. Ein gutes Beispiel dafür scheint mir Albert Einstein gewesen zu sein, der durchaus sehr rational und wissenschaftlich an das Leben heran ging, jedoch in seiner Betrachtungsweise nie im rein Rationalen und Materiellen stecken blieb. Wenn ich also sage, dass für mich das „Psychologische“ ein Teil des „Spirituellen“ ist, so heißt das nicht, daß ich in meiner Arbeit, die psychologischen Gesetzmäßigkeiten, v. a. der Psychoanalyse, nicht genügend berücksichtige. In den meisten Fällen ist es für die Fragestellung sogar durchaus ausreichend mit der Psychologie zu arbeiten. Ich halte es aber für einen Fehler, das Spirituelle nur mit den Mitteln der Psychologie zu betrachten oder nur dem sinnlich und rational Erfahrbaren, Realitätscharakter zu zuschreiben. Klar abgrenzen möchte ich mich ausdrücklich von einer esoterisch irrationalen und romantisch gefühlsbetonten New Age- Spiritualität. Auch ist nicht alles, was wir nicht verstehen, deshalb schon spirituell und wir tun gut daran, die Errungenschaften der Aufklärung und die Erkenntnisse der Psychologie und die damit verbundenen rationalen Einsichten, Wert zu schätzen und zu beachten.

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